Myopie-Management: Wie Kontaktlinsen das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit stoppen können
„Früher brauchte man einfach nur eine Brille, heute managt man die Sicht.“ Dieser Satz fällt immer häufiger in den Praxen von Augenoptikern und Augenärzten. Doch was steckt hinter dem Begriff Myopie-Management und warum spielen spezielle Kontaktlinsen dabei eine Hauptrolle?
Das Problem: Wenn das Auge zu lang wächst
Kurzsichtigkeit ist oft mehr als nur eine Sehschwäche. Bei einer progressiven Myopie wächst der Augapfel zu schnell in die Länge. Das führt nicht nur zu dickeren Brillengläsern, sondern dehnt auch die Netzhaut, was im Alter das Risiko für Augenerkrankungen (wie Netzhautablösung oder Makuladegeneration) erhöhen kann.
Hier setzt das Myopie-Management an: Das Ziel ist es nicht nur, scharfes Sehen zu ermöglichen, sondern das Längenwachstum des Auges aktiv zu bremsen.
Die Lösung: Kontaktlinsen als „Wachstumsbremse“
Herkömmliche Einstärkenbrillen korrigieren zwar die Sicht, senden dem Gehirn aber oft kein Signal, das Wachstum zu stoppen. Spezielle Kontaktlinsen nutzen physikalische Tricks, um genau das zu tun.
1. Orthokeratologie (Nachtlinsen)
Die sogenannten „Nachtlinsen“ oder Ortho-K-Linsen werden während des Schlafens getragen. Sie modellieren die Hornhaut sanft um, sodass man tagsüber ohne Sehhilfe scharf sehen kann.
Der Clou: Durch die Umformung entsteht in der Peripherie der Netzhaut ein optischer Defokus, der dem Auge signalisiert: „Stopp, nicht weiter wachsen!“
Es gibt mittlerweile spezielle weiche Tageslinsen (wie z.B. die CooperVision MiSight oder die Ecco One Day my M von MPG&E), die für Kinder entwickelt wurden.
Sie haben verschiedene optische Zonen: Eine Zone für scharfes Sehen im Zentrum und spezielle „Behandlungszonen“, die das Augenwachstum verlangsamen.
Warum Kontaktlinsen statt Brille?
Zwar gibt es auch spezielle Brillengläser für das Myopie-Management, doch Kontaktlinsen bieten oft entscheidende Vorteile:
Rund-um-Sicht: Die Korrektur wandert mit der Augenbewegung mit.
Sport & Freizeit: Keine einschränkende Brille beim Fußball, Tanzen oder Turnen.
Selbstbewusstsein: Viele Kinder fühlen sich ohne Brille im Alltag wohler.
Effektivität: Studien zeigen, dass spezielle Kontaktlinsen das Fortschreiten der Myopie um 30 % bis über 50 % reduzieren können.
Für wen ist das geeignet?
Idealerweise beginnt man mit dem Myopie-Management so früh wie möglich – oft schon im Grundschulalter, sobald eine deutliche Zunahme der Dioptrienwerte erkennbar ist. Da das Auge bis ins junge Erwachsenenalter wächst, wird die Therapie meist bis zum ca. 18. bis 25. Lebensjahr fortgeführt.
Ein kurzer Checkup:
Faktor
Empfehlung
Alter
Meist ab 6–8 Jahren sinnvoll.
Kontrolle
Engmaschige Termine beim Experten (alle 6 Monate).
Hygiene
Bei Kindern oft besser als gedacht – Tageslinsen erleichtern dies enorm